Justus Bender untersucht in seinem Werk die Ursprünge der AfD, ihre politischen Zielsetzungen sowie die Entwicklung ihrer Anhängerschaft. Dabei zieht er insbesondere Vergleiche zwischen der Gründungsphase der AfD und den frühen Jahren der Partei Die Grünen. Beide Parteien seien in ihren Anfangszeiten durch zugespitzte, teils radikale Forderungen und eine klare Abgrenzung vom etablierten politischen System geprägt gewesen.
Ein zentraler Gedanke des Buches ist, dass viele AfD-Anhängerinnen und -Anhänger ihr politisches Handeln zwischen den Polen Freiheit und Angst verorten. Freiheit verstehen sie nach Benders Darstellung häufig als möglichst weitgehende Abwesenheit staatlicher, gesellschaftlicher oder sprachlicher Einschränkungen. Dazu zählt auch die Auffassung, jede Meinung äußern zu dürfen, selbst wenn diese andere Menschen verletzt oder deren Freiheit beeinträchtigt. Kritik daran wird vielfach als Ausprägung einer vermeintlichen „political correctness“ oder als Einschränkung der Meinungsfreiheit wahrgenommen.
Bender vergleicht diese Haltung mit den frühen Grünen. Auch diese hätten in den 1980er-Jahren weitreichende gesellschafts- und wirtschaftspolitische Positionen vertreten, etwa Forderungen nach Nullwachstum sowie einen grundlegenden Widerstand gegen die Atomkraft. Zudem thematisiert das Buch problematische und heute klar abzulehnende Positionen einzelner Strömungen des damaligen grünen Milieus, insbesondere Debatten um eine Entkriminalisierung sexueller Handlungen mit Minderjährigen. Bender beschreibt solche Elemente als Ausdruck eines Gründungsextremismus, den er in anderer Form auch bei der AfD erkennt.
Einen wesentlichen Unterschied sieht der Autor jedoch im politischen Entwicklungsverlauf. Die Grünen seien in ihrer Geschichte wiederholt mit Wahlniederlagen, innerparteilichen Konflikten und dem Zwang zur politischen Anpassung konfrontiert gewesen. Insbesondere die Regierungsbeteiligung habe zu einer stärkeren realpolitischen Orientierung geführt. Die AfD dagegen habe seit der Flüchtlingspolitik des Jahres 20152015 über längere Zeit erhebliche Wahlerfolge erzielt. Nach Benders Einschätzung blieb ihr dadurch weniger Raum für Selbstkritik, programmatische Korrekturen und eine nachhaltige Mäßigung.
Der zweite große Themenkomplex des Buches betrifft die politische Mobilisierung durch Angst. Bender beschreibt Ängste vor sozialem Abstieg, wirtschaftlicher Unsicherheit, gesellschaftlichem Wandel, Migration und einer ungewissen Zukunft als zentrale Anknüpfungspunkte der AfD. Die Partei verstehe es, solche Befürchtungen kommunikativ zu bündeln und politisch nutzbar zu machen. Sachliche Kritik an den eigenen Positionen werde dabei häufig nicht als Teil demokratischer Auseinandersetzung behandelt, sondern als Angriff auf Freiheit, Identität oder die legitimen Interessen der eigenen Anhängerschaft interpretiert.
In einem Szenario entwirft Bender die mögliche Übernahme der Bundesregierung durch eine rechtskonservative Mehrheit. Voraussetzung wäre, dass die Union ihre Abgrenzung zur AfD aufgibt und in einer Koalition oder vergleichbaren Zusammenarbeit nur noch als Juniorpartner auftritt. Durch die Einführung bundesweiter Volksentscheide könnten nach dieser Vorstellung weitreichende Verfassungsänderungen durchgesetzt werden. Bender versteht dies als mögliche Anti-6868-Bewegung, die gesellschaftspolitische Fortschritte zurückdrehen und eine schrittweise Ausgrenzung bestimmter Gruppen fördern könnte. Insbesondere die mögliche Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen wird in diesem Zusammenhang mit Mechanismen der Ausgrenzung in den 1930er-Jahren in Verbindung gebracht.
Zum Ende des Buches kritisiert Bender auch die etablierten Parteien. Die AfD wirke in den sozialen Medien häufig unmittelbarer und authentischer als ihre politischen Konkurrenten. Während ihre Kommunikation die eigene Erzählung von Freiheit und Bedrohung konsequent aufgreife, erschienen Auftritte traditioneller Parteien mitunter künstlich oder wenig glaubwürdig. Als Beispiel für eine solche Inszenierung nennt die Beschreibung die Social-Media-Kommunikation von Friedrich Merz.
Bender lässt offen, ob eine Regierungsbeteiligung die AfD tatsächlich mäßigen würde oder ob sie ihre in den Wahlprogrammen erkennbaren Vorhaben konsequent umsetzen könnte. Er verweist dabei auf Positionen der Partei unter anderem zur Schulpflicht, zur Inklusion und zur Wirtschafts- sowie Sozialpolitik. Seine zentrale Warnung lautet: Wer die AfD wählt, kann sich nicht darauf berufen, die möglichen Folgen ihrer angekündigten Politik nicht gekannt zu haben. Vergleichbar sei dies mit Erfahrungen zahlreicher Wählerinnen und Wähler von Donald Trump, die von politischen Maßnahmen betroffen waren, welche dieser bereits im Wahlkampf angekündigt hatte.
Es bietet eine zugespitzte, kritisch argumentierende Analyse der AfD und ihrer politischen Kommunikationsmuster. Da es seit 2016 nur begrenzt aktualisiert wurde, sollte es allerdings im Kontext der späteren parteipolitischen Entwicklungen gelesen werden.
Das Buch umfasst Seiten Fließtext und ist für ca. 20 Euro erhältlich.